
Mein weiterer Werdegang & warum meine Ausbildung nicht endet
Irgendwann, mitten in meiner immer größer werdenden Faszination für Pferde, stellte ich mir eine entscheidende Frage:
Was möchte ich eigentlich beruflich mit Pferden machen?
Es gab viele Gedanken und viele mögliche Wege.
Veterinärmedizin?
Dafür bin ich vielleicht noch nicht zu alt. Aber ich stehe mitten im Leben, bin Vater und trage Verantwortung für meine Familie. Ein komplettes Studium der Veterinärmedizin war unter diesen Voraussetzungen für mich schlicht nicht der richtige Weg.
Auch die Ausbildung zum Tierheilpraktiker habe ich mir angesehen. Der Gedanke, sich intensiver mit medizinischen Themen rund um Tiere zu beschäftigen, war durchaus interessant. Aber irgendwann merkte ich, dass dieser Weg nicht zu meinem eigenen Anspruch passte.
Mir fehlte etwas Entscheidendes:
plausible, nachvollziehbare und wissenschaftlich überprüfbare Fakten.
Esoterik und romantisierte Vorstellungen über Tiere waren für mich ebenfalls nie der richtige Weg.
Was mich stattdessen immer mehr beschäftigte, waren die Pferde selbst.
Es muss doch einen Weg geben, diesen Pferden wirklich zu helfen
Ich begann immer häufiger Pferde zu sehen, die offensichtlich Probleme hatten.
Pferde, die sich nicht verladen ließen.
Pferde, die auf Turnieren extrem gestresst wirkten.
Pferde, die durchgingen.
Pferde, die stiegen oder bissen.
Oder Pferde, die einfach stehen blieben und als „stur“ abgestempelt wurden.
Und irgendwann stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage:
Es muss doch einen Weg geben, gerade diesen Pferden und ihren Menschen wirklich zu helfen.
Ich habe Pferde und ihre Besitzer erlebt, die bereits bei verschiedenen Fachleuten waren.
Manche Pferde wirkten anschließend völlig stumpf.
Andere kamen zurück, und das ursprüngliche Verhalten war vielleicht kurzfristig verschwunden – aber etwas hatte sich verändert. Die Kommunikation wurde leiser, die Reaktionen schwerer zu erkennen oder das eigentliche Problem zeigte sich später in einer anderen Form erneut.
Natürlich bedeutet das nicht, dass andere Fachleute grundsätzlich schlecht arbeiten.
Aber es hat mich nachdenklich gemacht.
Denn ich wollte verstehen, was hinter Verhalten wirklich steckt.
Nicht nur wissen, wie ich ein Verhalten verändern kann.
Sondern verstehen:
Warum zeigt ein Pferd dieses Verhalten überhaupt?
Der Beginn meines Weges zum Pferdeverhaltenstrainer
Diese Fragen führten mich schließlich zur Ausbildung zum Pferdeverhaltenstrainer bei fitmedi/Cavallo.
Dort bekam ich endlich den fachlichen Einblick, nach dem ich gesucht hatte.
Ethologie.
Psychologie.
Lernverhalten.
Kommunikation.
Verhaltensanalyse.
Plötzlich begann ich, Pferde anders zu sehen.
Und ehrlich gesagt:
Mein Denken hat sich dadurch komplett verändert.
Ich habe früher viele Dinge vermutlich genauso gesehen wie die meisten Pferdemenschen.
Nicht, weil ich einem Pferd bewusst etwas Schlechtes wollte.
Sondern weil ich es schlicht nicht besser wusste.
Auch ich dachte früher in Kategorien wie „Ungehorsam“, „Sturheit“ oder „das Pferd will nicht“.
Mit zunehmendem Wissen begann ich zu verstehen, dass Verhalten wesentlich komplexer ist.
Ein Pferd reagiert nicht grundlos.
Hinter Verhalten können Lernerfahrungen, Angst, Stress, Schmerzen, Haltung, Umweltbedingungen, Kommunikation und viele weitere Faktoren stehen.
Je mehr ich lernte, desto mehr veränderte sich mein Blick auf die Welt der Pferde.
Und gleichzeitig passierte etwas, womit ich vielleicht nicht gerechnet hatte:
Je mehr ich wusste, desto deutlicher wurde mir, wie viel es noch zu lernen gibt.
Bildung endet nicht mit einem Zertifikat
Eine abgeschlossene Ausbildung bedeutet für mich nicht:
Jetzt weiß ich alles.
Im Gegenteil.
Für mich war die Ausbildung zum Pferdeverhaltenstrainer der Beginn einer fachlichen Entwicklung.
Denn Pferdeverhalten ist komplex.
Und unser Wissen über Verhalten, Lernen, Emotionen, Stress und die biologischen Grundlagen dahinter entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Die Trainingswelt befindet sich im Wandel.
Immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in die Betrachtung von Pferdehaltung, Pferdeverhalten und Training ein.
Und genau dort möchte ich weitergehen.
Nicht stehen bleiben.
Nicht sagen:
„So habe ich es einmal gelernt, also wird es immer richtig bleiben.“
Sondern bereit sein, mein Wissen zu hinterfragen, zu erweitern und mich weiterzuentwickeln.
Mein nächster Schritt: Das Studium der Tierpsychologie
Im kommenden Monat beginne ich deshalb mein Studium der Tierpsychologie an der ATN – Akademie für angewandte Tierpsychologie und Tierverhaltenstraining.
Und eines kann ich bereits jetzt sagen:
Die kommenden 18 Monate werden alles andere als ein Spaziergang.
Das Studium beschäftigt sich nicht mit romantischen Vorstellungen darüber, ob Tiere „spüren können, was wir denken“.
Es geht tief in die wissenschaftlichen Grundlagen von Verhalten und Erleben.
Zu den Inhalten gehören unter anderem:
- Grundlagen der Verhaltenswissenschaften
- Allgemeine und spezielle Ethologie
- Verhaltensphysiologie und Verhaltensökologie
- Epigenetik und frühe Erfahrungen
- Lernbiologie, Lernen und Gedächtnis
- klassische und operante Lerntheorien
- neurobiologische Grundlagen von Emotionen
- Psychophysiologie
- Stressmodelle, Diagnostik und Folgen chronischer Belastung
- Kognition bei Tieren
- Persönlichkeit und individuelle Unterschiede
- Mensch-Tier-Beziehungen
- wissenschaftliches Arbeiten
- Forschungsmethoden und Statistik
Das Studium umfasst rund 18 Monate und eine umfangreiche Anzahl an wissenschaftlich ausgerichteten Lehrmaterialien, ergänzt durch Videos, multimediale Inhalte, Tutorien und Prüfungen. Besonders wichtig für mich ist das Modul Wissenschaftliches Arbeiten, in dem unter anderem Studienkonzeption, Forschungsmethoden und Statistik vermittelt werden.
Genau dieser Bereich ist für mich ein entscheidender Grund für diesen Weg.
Denn ich möchte nicht nur wissen, was andere herausgefunden haben.
Ich möchte verstehen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen.
Wie Studien aufgebaut werden.
Wie Daten interpretiert werden.
Und wie man sich kritisch mit wissenschaftlichen Aussagen auseinandersetzt.
Mein Schwerpunkt bleibt das Pferd
Natürlich wird mein Schwerpunkt weiterhin das Pferd bleiben.
Im tierartspezifischen Teil des Studiums beschäftige ich mich intensiv mit der speziellen Ethologie des Pferdes.
Dazu gehören unter anderem:
- Sinnesleistungen und Wahrnehmung
- Aktionsraum und Umwelt
- Funktionskreise des Pferdeverhaltens
- Kommunikation und Ausdrucksverhalten
- Befindlichkeiten erkennen und beurteilen
- haltungsbedingtes Verhalten
Damit vertiefe ich genau die Bereiche, die bereits heute den Kern meiner Arbeit bei DW Pferdekonzepte bilden.
Aber ich möchte noch weitergehen.
Ein besonderes Highlight: Meine Spezialisierung auf Esel
Ein Bereich, auf den ich mich besonders freue, ist meine fakultative Spezialisierung auf den Esel.
Denn Esel werden meiner Meinung nach noch immer viel zu häufig missverstanden.
Sie werden als „stur“ bezeichnet.
Als langsam.
Als schwierig.
Oder als Pferde mit langen Ohren.
Dabei sind Esel keine Pferde.
Sie gehören zwar zu den Equiden, unterscheiden sich jedoch in ihrer evolutionären Anpassung, ihrem Verhalten und ihrer Reaktion auf Umweltreize in wichtigen Bereichen vom Pferd.
Genau deshalb freue ich mich darauf, mich intensiv mit der Ethologie des Esels auseinanderzusetzen.
Auch hier geht es für mich wieder um dieselbe Grundfrage:
Was sehen wir und verstehen wir wirklich, was dahintersteckt?
Langfristig möchte ich deshalb nicht nur Pferden und ihren Menschen zur Seite stehen.
Auch die Langohren und ihre Besitzer sollen zukünftig einen Platz in meiner Arbeit finden.
Mehr als nur besser trainieren
Mein Ziel ist nicht einfach, mein Training mit einem weiteren Zertifikat schmücken zu können.
Ich möchte mein Wissen vertiefen.
Mein Training fachlich weiterentwickeln.
Und mein Verständnis für Verhalten auf ein neues Niveau bringen.
Aber mein Weg soll nicht bei meiner eigenen Arbeit mit Kunden enden.
Ich möchte wissenschaftliche Themen rund um Pferde für Menschen verständlich machen.
Deshalb entstehen auch die Fachbeiträge auf meiner Homepage.
Ich möchte komplexe Themen aus Ethologie, Lernbiologie, Verhalten und Training verständlich erklären und zeigen, dass Pferdewissen mehr sein kann als Stallmythen und überlieferte Trainingsweisheiten.
Langfristig möchte ich außerdem eigene Fälle fachlich dokumentieren und auswerten, Fallberichte erstellen und – soweit sich entsprechende Möglichkeiten ergeben auch an wissenschaftlichen Projekten und Forschung mitwirken.
Die ATN bietet innerhalb des Moduls „Wissenschaftliches Arbeiten“ ausdrücklich die Möglichkeit, Kompetenzen für wissenschaftliche Studien zu erwerben und sich perspektivisch an Forschungsprojekten zu beteiligen.
Für mich zählen keine romantisierten Mythen
Meine Einstellung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Für mich zählen keine romantisierten Mythen.
Kein „Der muss wissen, wer der Chef ist“.
Keine Dominanzfantasien.
Keine magischen Methoden.
Und keine Trainingsphilosophie, die nicht hinterfragt werden darf.
Das bedeutet nicht, dass Wissenschaft bereits auf jede Frage eine Antwort hat.
Natürlich gibt es noch viele Dinge, die wir über Pferde nicht wissen.
Aber genau deshalb ist es so wichtig, offen zu bleiben.
Neue Erkenntnisse zuzulassen.
Altes Wissen kritisch zu hinterfragen.
Und dort, wo wir etwas nicht wissen, nicht einfach eine Geschichte zu erfinden.
Pferdewohl braucht Fachwissen
Für mich steht eines heute mehr denn je im Mittelpunkt:
Das Pferdewohl.
Und Pferdewohl beginnt nicht erst dann, wenn ein Pferd offensichtlich krank oder verhaltensauffällig ist.
Es beginnt viel früher.
Bei Haltung.
Bei Fütterung.
Bei Sozialkontakten.
Bei Bewegung.
Bei Training.
Bei Kommunikation.
Und bei der Fähigkeit des Menschen, sein Pferd überhaupt wahrzunehmen und zu verstehen.
Durch Fachwissen können wir eine Trainings- und Haltungswelt schaffen, die dazu beiträgt, Pferde körperlich und psychisch gesund zu erhalten.
Nicht indem wir Probleme erst dann behandeln, wenn sie bereits massiv geworden sind.
Sondern indem wir lernen, Bedürfnisse, Belastungen und erste Warnsignale früher zu erkennen.
Für mich ist genau das der Weg, den ich mit DW Pferdekonzepte gehen möchte.
Ein Weg, der nicht aufhört.
Denn meine Ausbildung endet nicht mit einem Zertifikat.
Sie entwickelt sich mit jedem Pferd, jedem Fall, jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und jeder neuen Erfahrung weiter.
Und ich freue mich darauf, euch auf diesem Weg mitzunehmen.
Mein Weg geht weiter.
Für mehr Verständnis.
Für fundiertes Wissen.
Für modernes und pferdegerechtes Training.
Und vor allem: Für die Pferde.
Weiterführende Informationen
Die Inhalte und der Aufbau des Studiums Tierpsychologie an der ATN Akademie umfassen laut Lehrgangsbeschreibung unter anderem Verhaltenswissenschaften, Ethologie, Verhaltensphysiologie, Lern- und Gedächtnisprozesse, Emotionen, Psychophysiologie, Stressforschung, Kognition, wissenschaftliches Arbeiten, Forschungsmethoden und Statistik sowie die spezielle Ethologie der gewählten Tierarten. Die Regelstudiendauer beträgt 18 Monate.
Weitere Informationen zum Studiengang: